| Startpunkt: | Zinal,1600 m, erreichbar von Sierre im Rhonetal mit Bus. |
|---|---|
| Ausgangspunkt: | Tracuithütte, 3200 m. |
Den Sommer 1998 verbrachten meine Tourenpartner und ich im Wallis. Als Abschluß unserer Touren stand das Weißhorn auf dem Programm, wieder zu dritt mit unserem bewährten Bergführer Walter Hungerbühler, ein schlanker, drahtiger junger Mann von 35 Jahren, der klettert wie eine Gemse...
Seit meinem ersten Aufenthalt im Wallis gibt es den Traumberg in den Alpen
für mich: das Weißhorn, 4505 m.
Kein Berg zieht mich mehr in seinen Bann...
Allerdings ist schon der Normalweg über den Ostgrat lang und
anspruchsvoll. Deshalb nehmen die Führer am Weißhorn nur einen Gast ans
Seil. Entsprechend hoch ist die Führergebühr. Tarif für den Normalweg +
anfallende Spesen für den Führer + eigene Kosten sind mal eben ca. 900,--
Franken....
Aber für die Verwirklichung eines Traums war ich bereit, das zu zahlen.
Geplant war also der Normalweg über den Ostgrat.
Zwar gibt es an diesem Traumberg die Traumtour für mich, nämlich die
Überschreitung Nordgrat - Ostgrat. Aber aus Kostengründen (noch teurer als
der Normalweg) kam diese Tour für mich nie in Frage.
Beim Telefonat mit dem Bergführer kurz vor der Tour macht dieser mir dann
den Vorschlag, das Weißhorn zu traversieren - als ob er Gedanken lesen
könnte ! Aber ....
Er hat eine Freundin, die Bergführeraspirantin ist ( und für die somit nur die Spesen anfallen ) und so wäre die Tour gut mit Walter und mir möglich. Ich bin begeistert, kann es kaum fassen.....
Treffpunkt mit Wält ( dem Führer ) und Mariann` ( der Aspirantin ) Mittags
in Visp. Von dort weiter mit dem Zug nach Sierre und mit dem Bus nach
Zinal.
Um 14.00 Uhr beginnen wir den Aufstieg zur Tracuit - Hütte. Die 1600 Hm
sind gut zum warmlaufen fürÔs Weißhorn. Nach 3.5 Stunden erreichen wir die
Hütte. Diese ist überbelegt und ein Alptraum. Eine belgische Jugendgruppe
hält sich gerade dort auf. Selbst im Gastraum liegen noch Leute.... An
Schlaf ist nicht zu denken. Den Nordgrat haben allerdings nur ganz wenig
Bergsteiger zum Ziel. Zum Glück gibt es für die Nordgratbegeher schon um
2.00 Uhr Frühstück. Nichts wie weg hier.
Um 2.30 starten wir. Die Nacht ist phantastisch - sternenklar und
Vollmond. Die Stirnlampen bleiben bis auf einige Spalten, die wir
beleuchten, aus. Der Mond wirft unsere Schatten auf den Gletscher.
Um 5.00 Uhr sind wir auf dem Bishorn ( 4150m ). Der leichte Wind dort ist
empfindlich kalt und wir legen noch Kleidung nach. Hier setzt der Nordgrat
zum Weißhorn an. Zunächst müssen wir 100 Hm ins Weißhornjoch absteigen.
Danach beginnt dann der kombinierte Fels - und Firnteil.
Die Verhältnisse sind perfekt. Es gibt bereits eine schwache Spur und der
Fels ist total trocken.
Der Grat ist wie mit einer Axt behauen. Türme wechseln mit tiefen Scharten
ab. Mehrmals muß von den Türmen
abgeseilt werden. Überall sind neue Bohrhaken.
Unter dem Großen Gendarm, 4300 m, wartet die Schlüsselstelle. Sie ist
knapp 1 Seillänge hoch, senkrecht, aber gut griffig und mit einem
Zwischenstand zum Verschnaufen. Auch hier ist der Standplatz am Ende der
Seillänge mit neuen Bohrhaken und einer kleinen, im Fels verankerten Kette
versehen. Nach der Schlüsselstelle geht es noch ein Stück am Grat weiter
Richtung Gendarm, dann wird dieser auf seiner linken Seite (Ostseite)
gequert. Danach beginnt der Firngrat, der, von kurzen Felsstufen
unterbrochen, schmal und steil zum Gipfel leitet.
Den erreichen wir um 10.00 Uhr. Das Wetter ist phantastisch - tiefblauer,
wolkenloser Himmel und fast windstill.
Ich kann es kaum fassen und muß weinen - meine Traumtour wurde
Wirklichkeit!
Wir machen eine kurze Pause und beginnen dann hochkonzentriert den Abstieg
über den zunächst sehr steilen Ostgrat. Nach links bricht die NO - Wand 55
Grad steil ab..... Nach 45 Minuten erreichen wir den Beginn des Felsteils
(ca. 4100 m). Dort rasten wir dann nochmal.
Ich schaue gerade in Richtung Süden, als ich Leute schreien höre. Ich
drehe mich sofort um und sehe eine Person die NO - Wand abgehen. Wie
gebannt starren wir alle auf diesen Körper, der immer schneller werdend in
der vereisten, glatten Wand und sich überschlagend auf den Felsabbruch
zurast..... Dort entschwindet er unseren Augen...600 Metert tiefer bleibt
er liegen. Er wurde nur noch tot geborgen....
Am Gipfel haben wir noch mit ihm und seinen Kameraden gesprochen. Diese
stehen wie gelähmt auf dem Felsabsatz über uns.
Unser Führer ordert sofort über Funk einen Helikopter und steigt dann zu
den 4 Kameraden auf. 10 Min. später taucht der Heli auf und fliegt erst
einmal an den Wandfuß zum Abgestürtzten - dort gibt es nichts mehr zu
retten.. Dann holt er am Grat nach und nach die Kameraden ab und bringt
sie zur Weißhornhütte. Zum Schluß räumt er dann am Wandfuß auf.
Nach ca. 45 Min. ist die Rettungsaktion vorbei und wir steigen weiter ab -
allerdings durch das Geschehene und Gesehene sehr unsicher und langsam.
Erst allmählich kommt die alte Sicherheit zurück.
Gegen 15.00 Uhr erreichen wir dann die Weißhornhütte, 2900m.
Ganz wichtig: möglichst immer auf dem Grat oder unmittelbar unterhalb
bleiben. Nie in die brüchigen Flanken absteigen. Teilweise ist der Grat
sehr schmal.
Die Felsbeschaffenheit ist super, stets gut griffig, rauh und fest. An
allen wichtigen Stellen stecken Haken.
Alle Abseilstellen ( max. 20 m ) sind bestens eingerichtet.
Die Schlüsselstelle unter dem Gr. Gendarm (III+) ist zwar senkrecht,
aber gut griffig und in den Zwischenständen mit Bohrhaken bestens
abgesischert. Sonst übersteigen die Schwierigkeiten nirgends den 3. Grad.
Die Querung unterhalb des Gendarm - Gipfels ist steil, aber
unproblematisch.
Der anschließende Firnteil ist teilweise schmal, war aber bei uns weder
verwächtet noch vereist.
Auch im Felsteil beim Ostgrat möglichst immer auf dem Grat oder dicht daneben bleiben. Beim letzten Turm ( im Sinne des Abstiegs ), dem Lochmatterturm, kann an großen Ringen gut abgeseilt werden. Dort auf keinen Fall in die Flanken ausweichen. Nach dem Lochmatterturm wird der Grat verlassen und nach Süden in die Flanke abgestiegen. Immer den Steinmännern folgen ( etwas unübersichtlich) , sonst wird das Gelände brüchig. Der Übergang zum Gletscher erfolgt durch Abklettern einer leichten, 20 m hohen Steilstufe. Danach geradeaus weiter auf den Steinmann zu. Dort rechts Richtung Süden auf den Gletscherarm und über diesen oder über die links darüber befindliche Felsbank bis dahin, wo der Gletscher flacher wird. Hier führt ein guter, deutlicher Steig nach links in die Flanke ( leicht zu übersehen ) und überwindet diese in einer großen Schleife auf den unteren Teil des Gletschers. Von dort der Spur folgend in einer leichten Linksschleife zur Hütte.
| Hütte | - | Bishorn | 2,5 Stunden |
| Bishorn | - | Gipfel | 5 Stunden |
| Gipfel | - | Weißhornhütte | 4 Stunden |